Hörspiel „Grüße von dort unten“ – Teil 1

Seitdem sich Menschen gegen Faschismus erheben, beteiligen sich auch Anarchist*innen am antifaschistischen Kampf. Dies ist Teil unserer Geschichte. Unsere Geschichte wird allerdings durch ein staatliches Narrativ verdrängt, gar unsichtbar gemacht. Dieses hebt Personen hervor, die der heute herrschenden Ordnung am nächsten kommen. In anderen Fällen werden die Geschichten so gerahmt, dass sie den staatlichen Vorstellungen entsprechen, indem die ideologischen politischen Hintergründe vieler Widerstandskämpfer*innen außen vorgelassen werden.
Ob es die Schwarzen Scharen sind, die sich militant gegen Faschisten zur Wehr setzten und dadurch Übergriffe der Nazis auf Arbeiterviertel verhindern konnten; oder eben Rudolf Berner und zahlreiche andere Kämpfer*innen, welche im Untergrund agierten und internationale Verbindungen pflegten, um diesem menschenfeindlichen System etwas entgegenzusetzen – viele Tausende starben im Kampf gegen den Faschismus und würden mit der Zeit in Vergessenheit geraten, erzählte man nicht ihre Geschichten.
„Grüße von dort unten“, angelehnt an den Bericht „Die unsichtbare Front“ ist unser Versuch, diesen Teil anarchistischer Geschichte hervorzuheben und dazu beizutragen, dass dieser wichtige Teil des Widerstands gegen den Nationalsozialismus in Erinnerung bleibt. Das Hörspiel beruht auf der Geschichte von Rudolf Berner, einem schwedischen Anarchisten der 1937 im Auftrag deutscher Anarchosyndikalisten in das Deutsche Reich reiste.

Berner, der 1907 in Skövde als Kind einer Bauernfamilie geboren wurde, war seit 1931 in der schwedischen syndikalistischen Jugend aktiv, für die er große Teile Europas bereiste. So nahm er auch als Delegierter Ende 1931 an dem Kongress der FKAD (Föderation kommunistischer Anarchisten Deutschlands) in Berlin teil. Dort hörte er unter anderem einen Vortrag von Erich Mühsam. 1936 ging er als Delegierter der schwedischen Syndikalisten ins revolutionäre Spanien, wo er für die CNT-FAI arbeitete. Zwischen Bürgerkrieg und sozialer Revolution traf Berner mit den Spanienkämpfer*innen und Exilanten der Gruppe DAS (Deutsche Anarchosyndikalisten) zusammen. Die Gruppe hatte zu diesem Zeitpunkt jeglichen Kontakt zu ihren in Deutschland lebenden Genossen verloren und hoffte ihn durch Berners Einsatz wieder herstellen zu können. Berner sollte den unter der Naziherrschaft lebenden Anarchist*innen Nachricht über die Situation in Spanien bringen und die illegale Arbeit in Deutschland unterstützen. Die Menschen, die er dabei traf, ihre Geschichten und ihr Widerstand sind es, von denen Berner in unserem Hörspiel erzählt. Er selbst setzte sich dabei dem Risiko aus, von der Gestapo verhaftet zu werden, ein Schicksal, das viele der Menschen, die er traf, ereilte. Ihretwegen und seinetwegen haben wir dieses Hörspiel aufgenommen.

¡No pasarán!

Der erste Teil des Hörspiels folgt Berners Reise aus Spanien über Aachen nach Köln und Wuppertal.

Den kompletten Originalbericht „die unsichtbare Front“ mit weiteren Texten und Informationen zum anarchistischen Widerstand im Nationalsozialismus findet ihr beim Libertad Verlag.

Grüße von dort unten Teil 1

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